Thema für 2018: „Wege aus der Gleichgültigkeit“

Im „Jahr 1“ nach 25 Jahren unseres Bestehens danken wir Ihnen recht herzlich im Namen der Mitarbeitenden des CONCENTRUMS für Ihre finanzielle und ideelle Unterstützung. Wir haben das vergangene Jubeljahr 2017 am 25. November mit einem beeindruckenden Fest des Dialogs der Kulturen beschließen können. Unser Vorjahres-Thema „Dein Wort hat mich verändert“ wurde dabei mit zahlreichen kulturellen Darbietungen und inhaltlichen Statements aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Als Abschluss gab es bei einem reichhaltigen Buffet ein fröhliches Miteinander.

Mit dem schon angesprochenen „Jahr 1“ wollen wir weiterhin den Themen nachspüren, die unserem Forum Ziel und Richtung geben. Für 2018 haben wir uns das Motto gegeben: „Wege aus der Gleichgültigkeit.“ Denn das erachten wir als Gebot der Stunde: „Wir wollen uns nicht abfinden!“ Darum werden wir in Vorträgen, Workshops und bei der Studienfahrt verstärkt auf aktuelle Bezüge achten. Das Jahresprogramm 2018 können sie hier nachlesen >>

Nach 25 Jahren haben wir den Leitspruch des Concentrums neu formuliert:

Entstanden in einer Zeit,
als sich Grenzen öffneten,
bot das Concentrum Orte der Begegnung und des Dialogs.

Herausgefordert in einer Zeit,
in der willkürliche Grenzziehungen wieder salonfähig werden,
bietet das Concentrum erneut Räume der Begegnung und des Dialogs.

Begegnung auf Augenhöhe verändert,
offener Dialog weitet eigene Denkräume.

Begegnung und Dialog sind unverzichtbare Bausteine
für ein friedliches Zusammenleben im 21. Jahrhundert.

 

Offener Brief zum Gedenken an die Pogromnacht 1938

Kirchen und Kultusgemeinde adressieren Nationalrat

Wien, 08.11.2017 – Am 9. November, einem Datum, das in Österreich dunkle Erinnerungen wach werden lässt, findet in diesem Jahr die konstituierende Sitzung des neu gewählten Nationalrats statt. Mit der ausdrücklichen Zustimmung von Kardinal Christoph Schönborn, Bischof Michael Bünker, Metropolit Arsenios Kardamakis und Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Oskar Deutsch veröffentlichen wir beiliegenden Offenen Brief; eine Mahnung, dem derzeit wieder aufflammenden Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus im Gedenken an die Geschehnisse des 9. November 1938 Beachtung zu schenken und ihm die Erinnerung an die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte entgegenzusetzen.

Dass sich die größten Kirchen Österreichs gemeinsam mit der Israelitischen Kultusgemeinde äußern, ist ein Zeichen der praktischen Umsetzung des beiderseitigen Wunschs nach verstärkter Zusammenarbeit. Dieser hat zuletzt am Nationalfeiertag seinen Ausdruck in der Überreichung einer rabbinischen Erklärung zu den christlich-jüdischen Beziehungen an Kardinal Schönborn gefunden.

Hier der Wortlaut der Erklärung:

„Nie wieder“
Die konstituierende Sitzung des neugewählten österreichischen Nationalrats fällt auf den 9. November. Es ist ein Tag der schmerzlichen und bitteren Erinnerung an die vom nationalsozialistischen Regime im Jahr 1938 inszenierte Pogromnacht, bei der tausende österreichische Juden und Jüdinnen beraubt und verhaftet, ja schwer verletzt oder getötet wurden. Es ist ein Tag der schamvollen Erinnerung, die zugleich das oft zitierte, aber immer wieder zu wenig ernstgenommene Wort „Nie wieder“ birgt.
Es geht nicht darum, an die Brust der damaligen Generation zu schlagen, wenngleich vor dem Vergeben das Erinnern mit der schmerzlichen Frage: Wo warst du Kain? notwendig und unverzichtbar ist. Denn diese Frage ist nicht nur hilfreich im Hinblick auf die damalige Situation, sondern auch angesichts neuer Herausforderungen. Die Pogromnacht kam nicht aus heiterem Himmel. Es ging ihr ein jahrzehntelanger, tief in das 19. Jahrhundert hineinreichender Prozess voraus, in dem mit pseudowissenschaftlichen Argumenten dramatische Unterschiede der Menschen konstruiert wurden. Es waren diese absurden Konstruktionen, die im Denken allzu vieler damaligen Zeitgenossen dazu führten, Rechte und Würde ganzer Menschengruppen zu verneinen.
In der Gewissensforschung nach der Katastrophe der Shoah wurde deutlich, dass der Widerstand der Christen gegen dieses Denken viel zu schwach war – und dies, obwohl ihr Glaube die Botschaft von der gleichen Würde aller Menschen auf Grund ihrer Gottebenbildlichkeit enthält. Diese Botschaft ist in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 in säkularer Form Gemeingut der Menschheit geworden.
Mit Bedrückung erleben wir in den letzten Jahren, dass überwunden geglaubte falsche Denkmuster wieder aufleben. Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus sind nicht nur Themen historischer Analysen vergangener Zeiten, angesichts neuer Entwicklungen flackern wieder Brandherde von Haltungen auf, die erledigt schienen. Das verleiht auch dem Gedenken am 9. November besonderes Gewicht – und sollte dies auch für jene haben, die Politik gestalten.
Das kommende Jahr ist ein Jahr vielfachen Gedenkens. Es ist wünschenswert, dass insbesondere der 9. November – an dem des schmachvollen Tages gedacht wird, an dem jüdische Österreicherinnen und Österreicher ihrer Würde und ihrer Rechte beraubt wurden – und der 10. Dezember – der Jahrestag der Proklamierung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte – zusammengesehen und entsprechend begangen werden. So kann vor allem die Jugend verstehen, warum Menschen niemals ausgegrenzt werden dürfen.
Am diesjährigen 9. November gedenken viele Christen an unterschiedlichen Orten in Österreich der düsteren Ereignisse jener Nacht und jenes Tages des Jahres 1938. In der Wiener Ruprechtskirche wird am 9. November – wie alljährlich – der Opfer der Pogromnacht gedacht, auch im anschließenden Schweigegang zum Mahnmal auf dem Judenplatz, der zugleich Ziel der Aktion jüdischer Jugendlicher „Light of Hope“ ist.
Und danach werden sich viele Christen aus unterschiedlichen Konfessionen im Wiener Stephansdom versammeln, um in einem ökumenischen Gebet für ein friedliches Miteinander in einem Europa einzutreten, in dem die Menschenrechte respektiert und ernst genommen werden. In diesem Gottesdienst mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch aus den Nachbarländern geht es um Versöhnung, um Solidarität, Frieden und Toleranz in Europa. Im Gedenken an die Opfer der Pogromnacht kann dieses Gebet ein deutliches Bekenntnis der unbedingten Treue zum Grundsatz „Nie wieder“ werden.

Quelle: Koordinierungsstelle für christlich-jüdische Zusammenarbeit

Der Offene Brief als PDF

Ausstellung und Vortrag: Geschichte der Juden in Venedig und Stadtschlaining

Venice beyond the Ghetto

500 Jahre Ghetto Venedig – Stationen jüdischer Geschichte in Europa
Eine Geschichte von Ausgrenzung und Einbindung in Bezug auf die Jüdischen Gemeinden im Burgenland am Beispiel Stadtschlaining

Sonntag, 21. Mai 2017, 16.00 Uhr
Eintritt frei

Friedensbibliothek des Österreichischen Studienzentrums für Frieden und Konfliktlösung (ÖSFK), ehemalige Synagoge von Stadtschlaining
Hauptplatz 3
7461 Stadtschlaining

Referent: Dr. Gerhard Baumgartner
Zur Fotoausstellung: DI Giulio Zannier, Kurator
Musik: QuartArt
Werke von Franz Zebinger (Klesmeriade), Mike Curtis (Klezmer Wedding) und Wolfgang R. Kubizek (Klarinettenquartett).

Der KLANGfrühling 2017 steht heuer unter dem Motto „Luft und Liebe“ – Musik aus Venedig zu Gast im Burgenland. In diesem Zusammenhang findet bereits am Sonntag, 21. Mai 2017 in der ehemaligen Synagoge von Stadtschlaining eine Veranstaltung statt, die eine Verbindung herstellt zwischen der Geschichte Venedigs und jener von Stadtschlaining.

Für den KLANGfrühling ist es wichtig, dass neben dem musikalischen Festivalprogramm auch zusätzliche Veranstaltungen angeboten werden, die weitere Kunstformen integrieren und Themen, die typisch für Stadtschlaining sind beleuchtet. So freue ich mich, dass es gelungen ist, eine Fotoausstellung, die anlässlich „500 Jahre Ghetto Venedig“ präsentiert wurde, erstamls in Österreich zu zeigen. Zusammengestellt hat die Auswahl von 45 Schwarzweißfotografien Kurator Giulio Zannier.

In Zusammenarbeit mit dem Concentrum Stadtschlaining, dem ÖSFK, Venice beyond the Ghetto, SILOS art inside Venezia und der Stadtgemeinde Stadtschlaining werden die Bilder auch während des Festivals (23.- 28. Mai) zu besichtigen sein.

Für den „Schlaininger Teil“ konnte Dr. Gerhard Baumgartner, der Leiter des Dokumentationsarchives des Österreichischen Widerstandes, gewonnen werden.

Die erste urkundliche Erwähnung einer jüdischen Familie in Schlaining findet man bereits 1527, eine jüdische Gemeinde wird urkundlich erstmals 1680 erwähnt, 1715 wurde die Synagoge errichtet. Die Synagoge von Stadtschlaining ist die einzige öffentliche Synagoge im Burgenland, die während der Herrschaft des Nationalsozialismus nicht zerstört wurde. Sie wurde ab Mitte der 1980er Jahre vom ÖSFK erstanden und restauriert. Heute ist sie Standort der Friedensbibliothek.

Dr. Gerhard Baumgartner wird in seinem Vortrag auch über historische Verbindungen zwischen der jüdischen Geschichte von Venedig und jener von Stadtschlaining herausarbeiten.

cwj5xtoxeaalnkmDas Ghetto von Venedig – 500 Jahre danach
Das Ghetto von Venedig ist das älteste in Europa und hat im vergangenen Jahr sein 500 jähriges Bestehen begangen. In diesem Zusammenhang hat es zahlreiche Veranstaltungen gegeben, die unter dem Titel „Venice beyond the Ghetto“ auch eine Verbindung ins Heute geschlagen haben. Eine solche Brücke sind die Fotos von LUIGI FERRIGNO, die erstmals in Österreich öffentlich gezeigt werden. Die Schau wird von Giulio Zannier kuratiert.

Die künstlerische Interpretation durch Luigi Ferrigno, einem leidenschaftlich venezianischen Fotografen, ist eine Art Archiv von dokumentarischem Wert über das Ghetto in den vergangenen Jahren. Er gibt Einblicke in den Alltag, zeigt die Menschen wo und wie sie „zuhause“ sind, und das in einer einzigartigen architektonischen Kulisse.
Die Schwarzweiß-Bilder im Format 30×40 sind mit einem scharfen Auge aufgenommen, zärtlich, manchmal ironisch, durch eine feine Kunst unterstützt, durchtränkt mit dieser Intensität, manchmal auch ein wenig dramatisch, eine Stimmung, die nur Schwarz und Weiß geben können.
Die Ausstellung debütierte mit Unterstützung der Stadt Venedig für den Memorial Day 2017 im Palazzo da Mula in Murano.

Luigi Ferrigno wurde in Venedig im Jahr 1935 geboren. Die Leidenschaft für die Fotografie entstand sehr früh, 1957 wurde er Partner des Fotoclubs „La Gondola“, es entstand die erste internationale Ausstellung im Rahmen einer Fotografie-Biennale in Venedig. Ferrigno versteht sich als Vertreter der dokumentarischen Fotografie und Fotoreportage. Er fotografiert seine Stadt nach wie vor fast täglich an jeder Ecke und in jeder Situation, um auch das Wissen über „sein“ Territorium zu vertiefen.

Homepage „Venice Ghetto 500“