Newsletter Mai 2017

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Pressemitteilung

25 Jahre CONCENTRUM.
Begegnung und Dialog in der Friedensstadt Stadtschlaining

Der Verein CONCENTRUM wurde im September 1992 als „Forum für politische, ethnische, kultu- relle und soziale Ökumene“ gegründet. Im Hintergrund standen die Erfahrungen des „Wendejahres“ 1989. Bis heute führen Veründerungen innerhalb der Gesellschaft oft zu Spannungen. Zugleich fehlen meist wichtige Voraussetzungen und Informationen, damit wir uns konstruktiv mit Neuem und Unbekanntem auseinandersetzen können. Treten wir jedoch in einen Dialog mit dem Gegenüber ein, können wir auch Konflikte in ihrer positiven Wirkung wahrnehmen.

Als Angehörige verschiedener gesellschaftlicher Schichten, Konfessionen und Volksgruppen wollen wir in Begegnungen für diesen Dialog lernen und diese Erfahrungen in den gesellschaftlichen Diskurs einspielen.
Wir laden Personen mit kontroversen Meinungen zum gemeinsamen Gespräch ein, geben Informationen über die „Anderen“ oder das „Andere“ und helfen durch unmittelbare Begegnung Vorurteile abzubauen und Konfliktpotentiale verringern.

Seit 25 Jahren versuchen wir, in Vorträgen, Veranstaltungen und Kooperationen mit gleichgesinn- ten Initiativen das Bewusstsein einer vielschichtigen „Ökumene“ zu fördern. Denn „Ökumene“ bedeutet ja ursprünglich ein friedliches Miteinander in der einen Welt.
Am 25. November 2017 feiert das CONCENTRUM im Granarium der Burg Schlaining sein 25-jähriges Bestehen mit einem Fest der Kulturen, in dem die Vielschichtigkeit und zugleich die Gemeinsamkeit unserer Gesellschaft deutlich werden sollen. Veranstaltungshinweise und weitere Infor- mationen finden Sie unter: http://www.concentrum.wordpress.com

Im Vorstand arbeiten mit Friederike Treiber (Obfrau), Pfr. Dr. Gerhard Harkam (Geschäftsführer), Pfr. Dr. Matthias Platzer (Obfrau-Stv.), Adelheid Gamauf, Pastoralassistent Mag. Gustav Krammer (Webmaster) und Superintendent Mag. Manfred Koch. Das CONCENTRUMs-Büro findet man im alten Rabbinerhaus von Stadtschlaining, Hauptplatz 3.

Gerhard Harkam, 23. Mai 2017

Klangfrühlings-Vernissage: Venedig in der Bibliothek

bvz, 22.5.2017 – mit Fotogalerie
Im Rahmen des „Klangfrühlings“ wurde am Sonntag in der Friedensbibliothek Stadtschlaining die Fotoausstellung „Venice beyond the Ghetto“ eröffnet.

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Außerdem hielt Gerhard Baumgartner einen Vortrag über die historischen Verbindungen zwischen der jüdischen Bevölkerung von Venedig und Stadtschlaining.
Für die Musik sorgte „QuartArt“.

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CONCENTRUM war Mitveranstalter und nützte die Gelegenheit, dem Publikum den Verein zu präsentiere.

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Hintergrund-Infos zum Vortrag von Dr. Gerhard Baumgartner über „500 Jahre sephardische Juden in Europa und speziell in Venedig und Stadtschlaining“:

„Die Herkunft der sephardischen Juden“
Die Ausweisung der spanischen Juden im Jahre 1492

Sephardische Juden in der Frühen Neuzeit
Das osmanische Judentum wurde seit dem 16. Jahrhundert, als die ersten vertriebenen Sepharden von der Iberischen Halbinsel auf Einladung des Sultans hin ins Osmanische Reich kamen, neben Polen-Litauen zum zweiten Zentrum jüdischen Lebens in der Neuzeit. Wichtige kulturelle und religiöse Entwicklungen wurden durch die vergleichsweise tolerante Politik begünstigt und wirkten weit über die Grenzen des Osmanischen Reichs hinaus: Neben der neuzeitlichen Kabbala und der messianischen Bewegung des Sabbatianismus sind nicht zuletzt die Gelehrtenzentren Saloniki, Safed und Istanbul zu nennen, deren Einfluss bis heute in der jüdischen Religion erkennbar ist. Dieser Beitrag behandelt die Geschichte der Sepharden von ihrer Vertreibung aus Spanien und Portugal über die Aufnahme ins Osmanische Reich bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Außerdem wird auf das nicht-osmanische Judentum in Südosteuropa und in den protestantischen Städten Amsterdam, Hamburg und London eingegangen; der politische Status dieser sephardischen Judenheiten war sehr unterschiedlich.

Gerechtigkeit für sephardische Juden
(Welt, 11.02.2014) Vor 500 Jahren wurden in Spanien Juden gezwungen, katholisch zu werden oder das Land zu verlassen. Jetzt hat die Regierung ein Gesetz zur Wiedereinbürgerung von Nachfahren der Vertriebenen eingebracht.

Jüdische Kulturwege im Burgenland
Rundgänge durch die „Sieben Gemeinden“ und die Gemeinden des Südburgenlandes
PDF
Homepage

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Hintergrund-Infos zur Fotoausstellung „500 Jahre Ghetto in Venedig“:

500 Jahre Ghetto in Venedig
Die Serenissima und die Juden
(Tagesspiegel, 4.9.2016) Vor 500 Jahren wurde das Ghetto in Venedig eingerichtet. Es hat die Geschichte der Stadt mitgeprägt. Eine Ausstellung im Dogenpalast erzählt jetzt seine Geschichte.

Mittendrin ausgeschlossen

(Zeit-Online, 7.4.2016) Vor 500 Jahren wurde in Venedig das Judenviertel „Ghetto“ eingerichtet. Der Begriff machte eine unrühmliche Karriere. Doch die Lagunenstadt diente damals Juden aus ganz Europa als Zufluchtsort.

Verborgenes Venedig Geisterspuk in der Lagune
(Spiegel-Online), 30.1.2009) Seit Jahrhunderten von Touristen fast zu Tode geliebt, birgt Venedig noch immer Geheimnisse. Drei Rundgänge erzählen von den weniger bekannten Facetten der Lagunenstadt: von unruhigen Gespenstern, verborgenen Gärten und vom ersten jüdischen Ghetto der Welt.

Ausstellung und Vortrag: Geschichte der Juden in Venedig und Stadtschlaining

Venice beyond the Ghetto

500 Jahre Ghetto Venedig – Stationen jüdischer Geschichte in Europa
Eine Geschichte von Ausgrenzung und Einbindung in Bezug auf die Jüdischen Gemeinden im Burgenland am Beispiel Stadtschlaining

Sonntag, 21. Mai 2017, 16.00 Uhr
Eintritt frei

Friedensbibliothek des Österreichischen Studienzentrums für Frieden und Konfliktlösung (ÖSFK), ehemalige Synagoge von Stadtschlaining
Hauptplatz 3
7461 Stadtschlaining

Referent: Dr. Gerhard Baumgartner
Zur Fotoausstellung: DI Giulio Zannier, Kurator
Musik: QuartArt
Werke von Franz Zebinger (Klesmeriade), Mike Curtis (Klezmer Wedding) und Wolfgang R. Kubizek (Klarinettenquartett).

Der KLANGfrühling 2017 steht heuer unter dem Motto „Luft und Liebe“ – Musik aus Venedig zu Gast im Burgenland. In diesem Zusammenhang findet bereits am Sonntag, 21. Mai 2017 in der ehemaligen Synagoge von Stadtschlaining eine Veranstaltung statt, die eine Verbindung herstellt zwischen der Geschichte Venedigs und jener von Stadtschlaining.

Für den KLANGfrühling ist es wichtig, dass neben dem musikalischen Festivalprogramm auch zusätzliche Veranstaltungen angeboten werden, die weitere Kunstformen integrieren und Themen, die typisch für Stadtschlaining sind beleuchtet. So freue ich mich, dass es gelungen ist, eine Fotoausstellung, die anlässlich „500 Jahre Ghetto Venedig“ präsentiert wurde, erstamls in Österreich zu zeigen. Zusammengestellt hat die Auswahl von 45 Schwarzweißfotografien Kurator Giulio Zannier.

In Zusammenarbeit mit dem Concentrum Stadtschlaining, dem ÖSFK, Venice beyond the Ghetto, SILOS art inside Venezia und der Stadtgemeinde Stadtschlaining werden die Bilder auch während des Festivals (23.- 28. Mai) zu besichtigen sein.

Für den „Schlaininger Teil“ konnte Dr. Gerhard Baumgartner, der Leiter des Dokumentationsarchives des Österreichischen Widerstandes, gewonnen werden.

Die erste urkundliche Erwähnung einer jüdischen Familie in Schlaining findet man bereits 1527, eine jüdische Gemeinde wird urkundlich erstmals 1680 erwähnt, 1715 wurde die Synagoge errichtet. Die Synagoge von Stadtschlaining ist die einzige öffentliche Synagoge im Burgenland, die während der Herrschaft des Nationalsozialismus nicht zerstört wurde. Sie wurde ab Mitte der 1980er Jahre vom ÖSFK erstanden und restauriert. Heute ist sie Standort der Friedensbibliothek.

Dr. Gerhard Baumgartner wird in seinem Vortrag auch über historische Verbindungen zwischen der jüdischen Geschichte von Venedig und jener von Stadtschlaining herausarbeiten.

cwj5xtoxeaalnkmDas Ghetto von Venedig – 500 Jahre danach
Das Ghetto von Venedig ist das älteste in Europa und hat im vergangenen Jahr sein 500 jähriges Bestehen begangen. In diesem Zusammenhang hat es zahlreiche Veranstaltungen gegeben, die unter dem Titel „Venice beyond the Ghetto“ auch eine Verbindung ins Heute geschlagen haben. Eine solche Brücke sind die Fotos von LUIGI FERRIGNO, die erstmals in Österreich öffentlich gezeigt werden. Die Schau wird von Giulio Zannier kuratiert.

Die künstlerische Interpretation durch Luigi Ferrigno, einem leidenschaftlich venezianischen Fotografen, ist eine Art Archiv von dokumentarischem Wert über das Ghetto in den vergangenen Jahren. Er gibt Einblicke in den Alltag, zeigt die Menschen wo und wie sie „zuhause“ sind, und das in einer einzigartigen architektonischen Kulisse.
Die Schwarzweiß-Bilder im Format 30×40 sind mit einem scharfen Auge aufgenommen, zärtlich, manchmal ironisch, durch eine feine Kunst unterstützt, durchtränkt mit dieser Intensität, manchmal auch ein wenig dramatisch, eine Stimmung, die nur Schwarz und Weiß geben können.
Die Ausstellung debütierte mit Unterstützung der Stadt Venedig für den Memorial Day 2017 im Palazzo da Mula in Murano.

Luigi Ferrigno wurde in Venedig im Jahr 1935 geboren. Die Leidenschaft für die Fotografie entstand sehr früh, 1957 wurde er Partner des Fotoclubs „La Gondola“, es entstand die erste internationale Ausstellung im Rahmen einer Fotografie-Biennale in Venedig. Ferrigno versteht sich als Vertreter der dokumentarischen Fotografie und Fotoreportage. Er fotografiert seine Stadt nach wie vor fast täglich an jeder Ecke und in jeder Situation, um auch das Wissen über „sein“ Territorium zu vertiefen.

Homepage „Venice Ghetto 500“

Die Schlaininger Synagoge

Historische Kurzinformation

Quelle: Friedensbibliothek Schlaining

Die ersten schriftlichen Hinweise über jüdische Bewohner im Burgenland stammen aus dem 13. Jahrhundert. Die erste urkundliche Erwähnung jüdischer Familien im Südburgenland findet sich in einem Urbar der Schlaininger Familie Baumkirchner (16. Jh.). Zur Entstehung von dauerhaften Judengemeinden kam es erst im 17. Jahrhundert. Die Juden wurden als Fremde betrachtet und waren bestenfalls geduldet.

Den Grundherren waren die Juden hauptsächlich aus wirtschaftlichen und finanziellen Gründen willkommen. Im Raum des heutigen Südburgenlandes war es besonders die Familie Batthyány, die sich um die Ansiedlung jüdischer Bewohner bemühte. Auf den Gütern der Familie entstanden fünf große jüdische Gemeinden: in Groß-Kanizsa, Körmend, Schlaining, Rechnitz und Güssing.

Innenansicht der Schlaininger Synagoge ca. 1930
Innenansicht der Schlaininger Synagoge ca. 1930
Bildquelle: „Geschichte der Jüdischen Gemeinde zu Schlaining“ von Gerhard Baumgartner und „Gedenkbuch der untergegangenen Judengemeinden des Burgenlandes“ von Hugo Gold

Der jüdischen Gemeinde Schlaining wurde 1715 ein Grundstück zur Errichtung einer Synagoge zugewiesen. 1864 wurde dieser Bau erstmals restauriert. Neben der Synagoge betrieb die israelitische Kultusgemeinde in Stadtschlaining auch ein Badehaus für das rituelle Bad und eine eigene Schule.

Im Gegensatz zu Rechnitz, wo ein eigenes Ghetto entstand, lebten die Juden in Schlaining ähnlich wie in Güssing, anfangs in einem sogenannten Judenhaus zusammen. Die Juden hatten Schutzgelder und weitere Abgaben in bar zu zahlen. Die Judengemeinden im Südburgenland (Rechnitz, Güssing, Schlaining) entwickelten ein blühendes kulturelles Leben und erwarben durch die Zahlung des Schutzgeldes auch einige Autonomie. So prägte die jüdische Gemeinde den Alltag wesentlich mit. Die Aufhebung der Erwerbs- und Aufenthaltsbeschränkungen im 19. Jahrhundert führte zu einer Abwanderung in andere Gemeinden. 1899 wohnten etwa 150 Personen in Schlaining, 1934 waren es nur noch 19.

Nun folgte das NS-Regime mit Abschiebungen, Vertreibungen und Ermordung der jüdischen Bevölkerung und Beschlagnahmung des gesamten jüdischen Vermögens im Burgenland.

Die Besitzungen der jüdischen Kultusgemeinden wurden an die politischen Gemeinden verkauft (die Kultusgemeinde Wien bzw. Graz wurde dabei kurzerhand zum Rechtsnachfolger aller burgenländischen Gemeinden ernannt). Während Synagogen im Umkreis zu Jugendherbergen oder Feuerwehrhäusern umfunktioniert wurden, kam es in Stadtschlaining zu keiner Zweckentfremdung.

Nach dem Ende der NS-Herrschaft übergab die Gemeinde die Synagoge und die Rabbinerhäuser dem Österreichisch-Jüdischen Museum. Das Österreichische Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (ÖSFK) kaufte 1986 den stark baufälligen Komplex der jüdischen Synagoge und der Rabbinerhäuser. Spenden für die Restaurierung wurden unter anderem im Rahmen einer groß angelegten Bausteinaktion erbracht. 1987/1988 wurden die Objekte restauriert und ihrer nunmehrigen Verwendung als Friedensbibliothek zugeführt.

Die ehemalige Synagoge dient der Verbreitung des Friedensgedankens

Nun dient die ehemalige Synagoge der Verbreitung des Friedensgedankens und stellt den Studierenden und Wissenschaftlern des Friedenszentrums Burg Schlaining, aber auch allen anderen Besuchern, eine stattliche Sammlung von Fachliteratur zur Verfügung.

Literaturhinweis: Baumgartner, Gerhard: Geschichte der jüdischen Gemeinde zu Schlaining, hrsg. v. Österreichischen Institut für Friedensforschung und Friedenserziehung. Stadtschlaining, 1988

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Judengasse in Mattersburg

Die Ansiedelung jüdischer Familien im Burgenland

Die ersten Juden und Jüdinnen auf heute burgenländischem Gebiet sind für das 13. Jahrhundert nachweisbar. Nach ihrer Vertreibung aus der Steiermark und Kärnten1496 unter Kaiser Maximilian I. und aus Ödenburg und anderen ungarischen Städten nach der Schlacht von Mohács 1526, fanden viele Vertriebene Zuflucht auf westungarischem, heute burgenländischem Gebiet.
Weiterlesen auf burgenland.at

Bilder der ehemaligen Synagoge in Schlaining auf Austria-Forum

Gedenkdienst in Yad Vashem in Jerusalem

Katharina Wendl aus Oberkohlstätten auf Heimaturlaub vom Gedenkdienst

Katharina Wendl trat im August 2016 ihren Gedenkdienst in Yad Vashem in Jerusalem an und war zu Ostern einige Tage auf Heimaturlaub in Oberkohlstätten.

OBERKOHLSTÄTTEN (ps). „Ich möchte mich mit der Shoah (hebräisch für Holocaust), mit der Zeit davor und danach beschäftigen, um nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart besser zu verstehen und dazu beitragen, dass die Forderung „Nie wieder!“ zu keiner heruntergeleierten Phrase verkommt.“
Deshalb entschloss sich Katharina Wendl, nach der Matura am Wimmer Gymnasium, ab August 2016 im Namen der Republik Österreich in Yad Vashem zu arbeiten, der weltweit größten Gedenkstätte zur Erinnerung an den Holocaust.
Im Zuge dessen wollte die Schülerin vor allem im Archiv tätig sein und dort Dokumente (private Briefe, offizielle Schreiben) vom Deutschen ins Englische und vice versa übersetzen.
„Daneben werde ich über einzelne Opfer der Shoah recherchieren und falls offizielle Delegationen aus Österreich kommen, diese in Yad Vashem begleiten“, so Katharina. Mit diesen Vorstellungen trat Katharina Wendl ihren Gedankdienst in Yad Vashem an und sprach bei ihrem Heimaturlaub mit den Bezirksblättern über ihre Aufgaben, Eindrücke und die Zeit in Israel.

Gedenkdienst eine Chance und Herausforderung

„Ich bin froh und stolz, die Möglichkeit bekommen zu haben, Gedenkdienst zu leisten. Ich sehe es als großes Privileg an, ein Jahr lang in Yad Vashem arbeiten zu können, mich mit der Shoah zu beschäftigen und jeden Tag etwas dazulernen zu können. Vor nicht allzu langer Zeit war dies noch vielen jungen Menschen aus zwei Gründen verwehrt: Entweder waren sie Frauen oder nicht wehrpflichtige Männer. Ich beschäftige mich während meines Jahres hier (zum Glück) nicht nur mit der Shoah, sondern kann in eine Kultur und Sprache eintauchen, die sehr faszinierend ist und viele Jahrhunderte lang (und auch weiterhin) die europäische Geschichte und die europäischen Kulturen mit beeinflusst hat“.

Werden deine Erwartungen in Israel erfüllt, oder hast du dir diesen Dienst anders vorgestellt?
„Das ist schwer zu sagen. Den Gedenkdienst habe ich mir ungefähr so vorgestellt, wie ich ihn jetzt auch mache. Wie das Archiv und mein Arbeitsplatz in Yad Vashem aussehen, habe ich mir schon etwas anders vorgestellt. Fast alle Dokumente sind digitalisiert. Die Dokumente, die ich bearbeite, finde ich in der riesigen Datenbank von Yad Vashem auf meinem Computer. Ich bin schon mit ein paar Vorstellungen, vor allem was Sicherheitsvorkehrungen betreffen, nach Israel gefahren, die sich dann als nicht wirklichkeitsgetreu herausgestellt haben. Es gibt nicht so viele Sicherheitschecks vor Einkaufszentren, Geschäften oder Bahnhöfen (wenn, dann sind sie so ähnlich wie Planquadrate) wie ich es erwartet habe. Meine Ansichten zu Politik und Gesellschaft haben sich in meiner Wahrnehmung vor Ort nicht wesentlich geändert. Die Gründe, warum ich mich z.B. als Europäerin fühle, warum es gut ist, strenge Waffengesetze zu haben, sind mir bewusster geworden, sind nun viel schneller abrufbar, weil ich hier meine Ansichten verteidigen muss.

Wie ist das Leben in Israel, fernab von zuhause?
Ganz schön. Durch neue soziale Medien ist das Heimweh nicht besonders groß. Die Arbeit gefällt mir. Meine Mitbewohner/Innen sind freundlich, Jerusalem ist toll. Ich kann mich in dieser Hinsicht nicht beschweren. Schwierigkeiten gibt es natürlich, das abzustreiten wäre lächerlich. Aber ich habe immer Unterstützung erfahren: von der Österr. Botschaft in Tel Aviv, vom Verein Gedenkdienst und natürlich von meiner Familie.
Gedenkdienst war und ist hart umkämpft. In den letzten Monaten gab es Versuche vonseiten des BMASK aufgrund von finanziellen Vorgaben ihrerseits, den Gedenkdienst zu kürzen. Ich habe die Diskussionen im Verein, die Kampagne usw. mitverfolgt und mich hat das sehr bewegt, obwohl es mich nicht direkt betrifft, sondern die nächsten Jahrgänge. Die Richtlinien des BMASK, was die Förderung der Gedenkdienstleistenden anbelangt, finde ich hart, despektierlich und höhnisch gegenüber der Arbeit, die wir Gedenkdienstleistenden machen und den Lebensumständen, unter denen wir leben.
Gedenkdienst ist aktive Gedenkpolitik und “Kultur, die von den jungen Menschen, die diesen Freiwilligendienst machen, im Namen der Republik Österreich nach außen getragen wird. Diese Arbeit ist wichtig. Die Arbeit, die zu tun ist, wird nicht weniger, schon gar nicht in Yad Vashem. Sie ist auch nicht weniger bedeutend als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren – die aktuellen Entwicklungen in der Politik sowohl in Österreich als auch im Ausland zeigen, wie wichtig es ist, ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein zu haben und zu wissen, was passiert ist und warum es in unseren Geschichtsbüchern steht – auch wenn es wehtut.

Wie lange bleibst du noch und wo bist du im Einsatz?
Da der Gedenkdienst ein 12,5-monatiger Freiwilligendienst ist, werde ich meinen Gedenkdienst Ende August beenden und danach zurück nach Österreich kommen.
Meine Einsatzstelle ist Yad Vashem, eine der bedeutendsten Gedenkstätten, die an die Shoah erinnern und sie wissenschaftlich dokumentieren. Durch einen Beschluss des israelischen Parlaments wurde Yad Vashem als nationale Holocaust-Gedenkstätte 1953 gegründet. Der Name „Yad Vashem“ bedeutet Denkmal und Name und ist Jesaja 56,5 entlehnt: „Ihnen allen errichte ich in meinem Haus / und in meinen Mauern ein Denkmal, ich gebe ihnen einen Namen, / der mehr wert ist als Söhne und Töchter: Einen ewigen Namen gebe ich ihnen, / der niemals ausgetilgt wird.“ Ein besonders wichtiges Ziel Yad Vashems ist es, die Namen möglichst aller Jüdinnen und Juden, die im Holocaust ermordet worden sind, herauszufinden. Die Namen können sowohl online als auch vor Ort in der Hall of Names recherchiert werden.
Seit 1953 haben die Mitarbeiter_innen von Yad Vashem wertvolle Arbeit darin geleistet, Dokumente und Objekte jeder Art in Zusammenhang mit dem Holocaust zu konservieren und zu erhalten, den Holocaust zu erforschen und zu vermitteln. Das Archiv, das über 60 Millionen Dokumente beherbergt, wächst immer weiter. Noch längst nicht sind alle Akten digitalisiert und bearbeitet. Im Zuge von Projekten wie „Gathering the Fragments“ stoßen Wissenschafter_innen immer wieder auf neue Dokumente, Erinnerungsstücke und Lebensgeschichten von Holocaustüberlebenden. Das Archiv selbst ist in verschiedene Abteilungen eingeteilt. So gibt es etwa ein deutschsprachiges, ein russisch-, ein ungarisch-, und ein polnischsprachiges Archiv. Außerdem verfügt Yad Vashem über eine Bibliothek mit einem Bestand von über 130.000 Titeln in über 50 verschiedenen Sprachen, die sowohl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Yad Vashems als auch von Außenstehenden genutzt werden kann.

Was sind deine Tätigkeiten

Katalogisierungstätigkeiten bei Neueingängen im Archiv
Herbert Rosenkranz (1924-2003) war ein österreichisch-israelischer Historiker und Archivar in Yad Vashem. Von Anfang an hat er die Idee des Gedenkdienstes unterstützt. Er sammelte unergiebig alle Arten von Dokumenten, die mit Österreich, dem Nationalsozialismus und dem Holocaust zu tun haben. Bis heute arbeiten die österreichischen Gedenkdienstleistenden daran, seinen umfangreichen und wissenschaftlich besonders relevanten Nachlass zu katalogisieren, um es Wissenschafter_innen und anderen interessierten Personen zu ermöglichen, Einsicht in jene Dokumente zu erlangen.
„In den letzten vier Monaten hatte ich die Gelegenheit, sehr viel über die Jüdische Gemeinde in Wien während der Zeit des Nationalsozialismus in Österreich zu lesen und zu lernen. Neben der Korrespondenz zwischen offiziellen Vertretern der Jüdischen Gemeinde und nationalsozialistischen Behörden über die Konfiszierung von Gebäuden und rituellen Objekten, antisemitische Verordnungen und die Errichtung und Organisation von Hachshara-Lagern (Umschulungslager für jüdische Auswanderer_Auswanderinnen) habe ich sehr viele Dokumente zur Flucht aus Österreich katalogisiert.

Nachforschungen über einzelne Opfer der Shoah, sowie Bearbeitung diverser Anfragen an das Archiv
„Bis Mitte Jänner war ich zweimal in der Woche im Beit HaKehillot (Haus der Gemeinden) damit beschäftigt, bereits archivierte Pages of Testimony im zentralen Suchsystem Yad Vashems („Sapir“) zu suchen, um sicherzustellen, dass sie sowohl online als auch offline zugänglich sind. Dieses Projekt ist nun abgeschlossen.
Wenn Besucher_innen bei der Suche nach Informationen zu ihren Angehörigen Unterstützung bei der Suche und beim Verstehen von deutschsprachigen Dokumenten in den Archiven von Yad Vashem oder im Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS) Hilfe benötigen, werde ich hin und wieder zu Rate gezogen.

Empfang und Führung offizieller österreichischer Delegationen
Offizielle Delegationen besuchen meist 1,5 bis 2,5 Stunden lang Yad Vashem und werden von einem Vertreter oder einer Vertreterin der österreichischen Botschaft in Tel Aviv begleitet. Nach der Begrüßung durch den Guide und mich findet eine kurze Führung durch das Historische Museum statt. Dabei wird auf die Interessen der Delegation eingegangen. Anschließend besucht die Delegation die Hall of Names.

03.01.2017 – Besuch der Staatssekretärin für Diversität, Öffentlichen Dienst und Digitalisierung Muna Duzdar in Yad Vashem
Muna Duzdar durfte ich zu Beginn des Jahres in Yad Vashem empfangen. Sie zeigte sich sehr interessiert an der Arbeit der Holocaustgedenkstätte und bekräftigte ihre Unterstützung für den Gedenkdienst. Besonders beeindruckt haben sie die verschiedenen Lebensgeschichten der Verfolgten und die Technologien, die Yad Vashem einsetzt, um die Shoah zeitgemäß zu vermitteln.

Yad Vashem – internationaale Holocaust-Gedenkstätte

Yad Vashem – The World Holocaust Remembrance Center

Die Holocaust-Opfer der Roma. Eine Spurensuche

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O holocoust opfertscha le Romendar – Die Holocaust-Opfer der Roma
Jek jomakero rodipe – Eine Spurensuche
Vortrag und Diskussion mit dem Historiker Gerhard Baumgartner

30. März 2017, 19.00 Uhr,
evang. Gemeindesaal Holzschlag

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Das vom Nationalfonds der Republik Österreich geförderte Projekt „Namentliche Erfassung der Holocaust-Opfer der Roma“ ist weitgehend abgeschlossen. Ziel des Projekts war es, Klarheit über das Schicksal der Roma in der NS-Zeit zu bekommen. Von den 11.000 österreichischen Roma wurden über 9.000 ermordet. Von den meisten gab es keinerlei Spuren. Doch den HistorikerInnen rund um Projektleiter Mag. Phil. Dr. phil. Gerhard Baumgartner ist es gelungen, die Namen der deportierten und ermordeten Roma festzustellen.

Mag. Dr. Gerhard Baumgartner – Historiker und Journalist; Mitarbeiter der Österreichischen Historikerkommission, Projektleiter des Forschungsprojektes „Holocaustopfer unter den österreichischen Roma und Sinti“, Leiter des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes.

In Kooperation mit der VHS der Roma und der Evang. Pfarrgemeinde A.B. Holzschlag

Lesung „Die Elster“

170303-Harmtodt_ElsterMarlene Harmtodt-Rudolf präsentierte in Schlaininig ihr Buch „die Elster“ im Rahmen einer Concentrum-Veranstaltung im Jubiläumsjahr 25 Jahre Concentrum Stadtschlaining.

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STADTSCHLAINING (ps). Die mit dem Theodor Kery Literaturpreis ausgezeichnete Autorin, Marlene Harmtodt-Rudolf aus Jormannsdorf, sorgte mit ihrem Roman „Die Elster“, für einen Abend voller Spannung. Geschäftsführer Gerhard Harkam begrüßte die Autorin im Evangelischen Gemeindezentrum Stadtschlaininig zur Lesung und Buchpräsentation.
Zwei im Schicksal verbundene Menschen versuchen zwischen Armut und Reichtum, Träumen und Mystik, sich den Ungerechtigkeiten der Gesellschaft entgegenzustellen. Unsicherheit vor Unbekanntem schreckt weder vor Mord noch vor Vertreibung zurück. Marlene Harmtodt-Rudolf gewährte aber auch Einblicke in ihr noch nicht ganz fertiges Mundartbuch und las daraus „Amüsantes“ zur Aufheiterung des Gemüts. Die Lesung von Marlene Harmtodt-Rudolf ist im Jubiläumsjahr 25 Jahre Concentrum Stadtschlaininig, Teil eines abwechslungsreichen Veranstaltungszyklus, der am 25. November 2017 mit dem „Fest des Dialogs der Kulturen“ auf Burg Schlaining seinen feierlichen Höhepunkt erfährt.

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Schreiben mit Seele … Spielen mit Worten!
„Empfindungen, Augenblicke und Erlebtes in Worte fassen, damit begann ich Mitte der 70er Jahre. Kritischer Freund und Mentor war mir der Autor Paul Walter Kirsch. Die Texte entstanden von Anfang an entweder in der Mundart oder ich verwendete die Schriftsprache. Meine Gedanken sind in Prosa, Kurzprosa, experimenteller Lyrik und in Gedichten zu finden“, so Marlene Harmtodt-Rudolf.

„ich schlief und träumte, das leben sei freude.
ich erwachte und sah, das leben ist pflicht.
ich tat meine pflicht, und siehe da, das leben ward freude.“
(Rabindranath Tagore)

BigData. Was geht mich das an?

170202-BigData_KuhnSTADTSCHLAINING (ps). Das Concentrum, Forum für politische, ethnische, kulturelle und soziale Ökumene startete in das Jubiläumsjahr – 25 Jahre Concentrum Stadtschlaining – mit dem Vortrag über BigData. GF Gerhard Harkam begrüßte Michael Kuhn im gut besuchten Evangelischen Gemeindezentrum. Wir alle hinterlassen Spuren in der digitalen Welt. Datenspuren entstehen, wenn wir ein Urlaubsangebot im Internet suchen, das Navigationsgerät im Auto nutzen, mit der Kundenkarte einen Rabatt einlösen, Weltnachrichten am Handy lesen, mobil telefonieren oder bargeldlos zahlen. Wem nützen diese Daten? Wie kann ich achtsam mit meinen Daten umgehen? Michael Kuhn machte einen kurzweiligen und sehr interessanten Streifzug durch die Datenwelt mit ihren Auswirkungen auf unser persönliches Leben.
meinbezirk.at, 6.2.2017 (mit Fotoalbum)

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